Kommunale Wärmeplanung: Fristen, Inhalte und Schnittstellen zur WNTP-Pflicht
WPG §§14 ff. und §32 sind zwei Seiten derselben Wende. Kommunen und Stadtwerke stehen häufig vor beiden Pflichten gleichzeitig – und können durch koordinierte Planung erheblich Zeit sparen.
Zwei Planungspflichten, eine Infrastruktur
Das Wärmeplanungsgesetz hat zwei zentrale Planungspflichten eingeführt, die eng miteinander verknüpft sind: die kommunale Wärmeplanung (KWP) nach §§ 14 ff. WPG und den Wärmenetzausbau- und Dekarbonisierungsfahrplan (WNTP) nach §32 WPG. Beide betreffen denselben physischen Infrastrukturraum – das Wärmenetz und sein Einzugsgebiet –, aber sie richten sich an unterschiedliche Akteure und stellen unterschiedliche Anforderungen.
Kommunen und Stadtwerke stehen häufig vor beiden Pflichten gleichzeitig: als kommunale Planungsträger für die KWP und als Netzbetreiber für den WNTP. Wer beide Prozesse versteht und koordiniert, spart erhebliche Zeit und vermeidet Doppelarbeit.
Fristen und Geltungsbereich der kommunalen Wärmeplanung
Die KWP-Fristen sind nach Gemeindegröße gestaffelt:
- Kommunen mit mehr als 100.000 Einwohnern: Fertigstellung der kommunalen Wärmeplanung bis zum 30. Juni 2026.
- Alle übrigen Kommunen: Fertigstellung bis zum 30. Juni 2028.
- Stadtstaaten und Länder mit eigenem Klimaschutzgesetz: Können abweichende Regelungen haben.
Die Frist für Großstädte ist damit bereits abgelaufen. Kommunen in der mittleren Größenklasse befinden sich mitten im Prozess. Für kleine Kommunen läuft die Uhr – zwei Jahre sind bei komplexen Wärmenetzgebieten weniger, als sie auf den ersten Blick erscheinen.
Was die KWP leisten muss
Die kommunale Wärmeplanung ist eine Gesamtbetrachtung des Wärmebedarfs im Gemeindegebiet. Sie umfasst:
- Bestandsanalyse: Wo gibt es heute Wärmenetze, dezentrale Versorgung, Gasversorgung? Wie hoch ist der Wärmebedarf nach Gebäudekategorien und Raumeinheiten?
- Potenzialanalyse: Welche erneuerbaren Wärmequellen und Abwärmepotenziale sind im Gemeindegebiet verfügbar (Geothermie, Solarthermie, Abwärme, Biomasse)?
- Zielszenario: Wie soll die Wärmeversorgung bis 2045 aussehen? Welche Gebiete werden durch Wärmenetze versorgt, welche durch Einzellösungen?
- Maßnahmenplan: Welche Investitionen, Kooperationen und regulatorischen Schritte sind notwendig, um das Zielszenario zu erreichen?
Die KWP ist ein strategisches Planungsdokument – kein technisches Betriebskonzept. Sie zeigt Richtung, definiert Zielgebiete und gibt Rahmenbedingungen vor.
Die Schnittstelle zum WNTP
Hier liegt die entscheidende Verknüpfung: Der WNTP nach §32 WPG konkretisiert das, was die KWP für das Wärmenetzgebiet strategisch skizziert, auf der technisch-ökonomischen Ebene. Während die KWP sagt: "Dieses Quartier soll bis 2035 durch ein dekarbonisiertes Wärmenetz versorgt werden", beantwortet der WNTP: "Mit welcher Erzeugertechnologie, welchem Investitionsvolumen und welcher CO₂-Bilanz?"
Für Stadtwerke und kommunale Wärmenetzbetreiber bedeutet das: KWP und WNTP sollten koordiniert entwickelt werden. Die Bestandsdaten aus dem WNTP-Prozess bereichern die KWP-Potenzialanalyse. Die Zielgebiete der KWP geben dem WNTP-Netzausbauszenario seinen räumlichen Rahmen.
Wer KWP und WNTP getrennt und nacheinander erstellt, riskiert inhaltliche Widersprüche und Doppelarbeit bei der Datenbeschaffung.
Praktische Empfehlungen für Kommunen und Stadtwerke
Für Kommunen, die noch nicht mit der KWP begonnen haben:
- Klären Sie zuerst die Zuständigkeit: Ist die Gemeinde selbst Planungsträger, oder besteht eine Kooperationspflicht mit dem Landkreis?
- Prüfen Sie, ob Ihr Stadtwerk oder Wärmenetzbetreiber bereits an einem WNTP arbeitet. Stimmen Sie die Datenbasis frühzeitig ab.
- Nutzen Sie bestehende Wärmeatlanten und GIS-Daten als Ausgangspunkt für die Bestandsanalyse.
Für Stadtwerke, die Wärmenetze betreiben:
- Stellen Sie Ihrem kommunalen Planungsträger frühzeitig die Bestandsdaten des Netzes zur Verfügung.
- Integrieren Sie die KWP-Zielgebiete in Ihre WNTP-Varianten: Wo ist Netzausbau vorgesehen? Welche zusätzlichen Wärmemengen müssen erzeugt werden?
- Achten Sie darauf, dass Ihre WNTP-Einreichung terminlich abgestimmt ist, wenn die KWP auf Ihren WNTP-Ergebnissen aufbaut.
Unterstützung durch Energie-Zentrale
Energie-Zentrale von FACT GmbH eFacilities Solutions unterstützt sowohl den WNTP-Prozess nach §32 WPG als auch die Datenzulieferung für kommunale Wärmeplanungen. Unser Engineering-Lab bildet die technisch-ökonomische Grundlage, auf der konsistente KWP- und WNTP-Dokumente entstehen.
Wenn Sie Ihre kommunale Wärmeplanung und den Transformationsfahrplan für Ihr Netz koordiniert entwickeln möchten, sprechen Sie uns an.